Ibn Rushd Preis 2006

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2006 Fatima Ahmed Ibrahim

Fatima Ahmed Ibrahim

Der Preis war ausgeschrieben für eine politisch engagierte arabische Frau, die sich um Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung und Demokratie in der arabischen Welt verdient gemacht hat.

  • Ausruf zur Nominierung
    English العربيةNominierungen für den Ibn Rushd-Preis 2006 werden ab sofort entgegengenommen Dieses Jahr ist der Preis ausgeschrieben füreine politisch engagierte arabische Frau, die sich um Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung und Demokratie in […]
  • CV Fatima Ahmed Ibrahim
    English العربيةFatima Ahmed Ibrahim Fatima Ahmed Ibrahim wurde 1933 als Tochter eines Lehrers in eine gebildete und religiös engagierte Familie in Khartum/Sudan geboren. Auch ihre Mutter hatte während der britischen […]
  • Rede des Preisträgers
    English العربيةRede der Preisträgerin      Fatima Ahmed Ibrahim Berlin 8.12.2006 anlässlich der Verleihung des Ibn Rushd Preises Verehrter Vorstand, verehrter Beirat, Verehrte Mitglieder des Ibn Rushd Funds Sehr geehrte Damen und […]
  • Mitglieder der Jury 2006
    English العربيةMitglieder der Jury 2006 Ahmad Faez al-Fawwaz Ahmad Faez al-Fawwaz wurde 1934 in Riqqa geboren. Nach seinem Studium der Medizin an der syrischen Universität in Damaskus (1952–1957) promovierte er […]
  • Laudatio gehalten von Prof. Dr. Ulrike Freitag
    English العربيةLaudatio für Fatima Ahmed Ibrahim Prof. Dr. Ulrike Freitag Sehr verehrte Frau Ibrahim, sehr verehrter Herr Bushnaq, meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist eine besondere Ehre, heute […]
  • Begrüßung des Funds
    English العربيةIbn Rushd Fund for Freedom of Thought Begrüßungsrede                                   anlässlich der Verleihung des Ibn Rushd Preises an Fatima Ahmed Ibrahim Dr. Farouk Beydoun                                                Berlin 08.12.2006 Verehrte Damen und Herren, im […]
  • Der Ibn Rushd Fund trauert um der sudanesischen Frauenrechtlerin Fatima Ahmed Ibrahim
    English العربيةDer Ibn Rushd Fund for Freedom of Thought erfuhr mit großer Bestürzung vom Tod der sudanesischen  Frauenrechtlerin Fatima Ahmed Ibrahim am 12.08.2017 in London, Trägerin des Ibn Rushd-Preises 2006. […]

Ibn Rushd Fund for Freedom of Thought presents the
Ibn Rushd Prize 2006 to
the Sudanese human rights acvtivist Fatima Ahmed Ibrahim
On December 8th, 2006, Fatima Ahmed Ibrahim received the eigth Ibn Rushd Prize for Freedom of Thought at the Goethe Institute in Berlin. She is honoured for her courage and enduring fight for human rights, equality and democracy in the Sudan

Mit einer Begrüßung durch Vertretern des Ibn Rushd Funds wird die Feier eröffnet. Es sprachen Fadia Foda in arabischer, Farouk Beydoun in deutscher Sprache. „Für eine arabische Frau ist es bis heute weder einfach noch ungefährlich, sich politisch zu engagieren. Zu unserer Überraschung erreichten uns trotzdem zahlreiche Vorschläge für Kandidatinnen, die mutig und unbeirrt für Freiheit und Menschenrechte und für die Rechte der Frau in der arabischen Welt gekämpft haben. 13 Kandidatinnen standen zur Wahl: aus Saudi-Arabien, Bahrain, Jordanien, Libanon, Syrien, Ägypten und aus dem Sudan.“
Prof. Dr. Ulrike Freitag (Leitern Zentrum Moderner Orient und Dozentin an der FU Berlin) beleuchtet eine Reihe von Themen, die sowohl für Fatima Ibrahims weitere Laufbahn als auch für das schwierige Verhältnis westlicher und nichtwestlicher Frauenorganisationen von Bedeutung waren. Sie sagt in ihrer Laudatio: „Der erste politische Kampf der Frauen im Sudan – jener für das Wahlrecht – scheiterte zunächst am Widerstand der Muslimbrüder. Jene warfen den Frauen, wie bereits angedeutet, Verwestlichung und antiislamisches Verhalten vor, jene konterten, indem sie sich ihrerseits auf Koran und Prophetenüberlieferungen beriefen, welche zugunsten der Frauen ausgelegt werden können. Diese Art der Argumentation sollte in den darauffolgenden Jahren auch in anderen Kontexten immer mehr erforderlich werden.“
Nabil Bushnaq, Präsident des Ibn Rushd Fund, stellt die Redner vor.
„Rechtlich hatten die Frauen während der Kolonialzeit keinen eigenen Status. Gleichzeitig war die Bildung und Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt natürlich auch lokal sehr umstritten. (…). Es ist (…) kein Zufall, dass Verwestlichung und kulturell nonkonformes – im konkreten Fall unislamisches – Verhalten die typischen Argumentationsmuster gegen die Frauenbewegung werden sollten.
In einer Pressekonferenz beantwortet Fatima Ahmed Ibrahim die Fragen der Journalisten. Dr. Günther Orth, Profiübersetzer und -dolmetscher, übersetzt die Diskussion und gibt die Rede der Preisträgerin simultan in Deutsch wieder.
„Als die Union gegründet wurde, begann sie mit Wohltätigkeitsarbeiten und reformistischen Aktivitäten. Wir gründeten Schulen für erwachsene Frauen zur Bekämpfung von Analphabetismus, boten Erste-Hilfe-Kurse an, gründeten zwei Mädchen-Schulen für die mittlere Reife. Wir sammelten Gelder und Lebensmittel und verteilten sie an die Armen.
Bald begriffen wir jedoch, dass wir mit Wohltätigkeitsarbeit nicht Großes bewirken konnen und nicht wirklich die Probleme der Bedürftigen beseitigen konnten. (…) [und] dass die Gleichstellung von Frauen und Männern und die Befreiung der Frau aus ihrer Unterdrückung nur gelingen würde, wenn man die Regierung zur Änderung von politischen Entscheidungen und Gesetzen, die die ungleiche Behandlung von Frauen und Männern gesetzlich verankern, bewegen könnte.“
„Wir setzten uns intensiv mit dem Koran auseinander und konsultierten mehrere Religionsmänner, bis wir imstande waren, schlagende Argumente zu bringen, um zu beweisen, dass der Islam nicht dem  Mann den Vorrang gibt, und den Frauen im Islam nicht die Gleichberechtigung entzogen ist. 
1964 erhielt die Frau im Sudan das aktive und passive Wahlrecht. Auch die islamische Front stellte ihre Kandidatinnen auf. Zehn Jahre zuvor hieß es noch, die bloße Forderung der Frauen nach ihren politischen Rechten sei glaubenswidrig. Nachdem aber diese Rechte erlangt waren, nahm die islamische Front gern diese Rechte in Anspruch, um davon Vorteile zu ziehen! Hatten sich die islamischen Vorschriften denn seither geändert?“
O Frauen dieser Welt, ich rufe euch auf, vereint eure Kräfte! Genug des Unrechts, der Unterdrückung und des Leids! (…) Lasst uns eine starke und einflussreiche Kraft werden und in allen Bereichen und auf allen Ebenen wirksam sein! (…)
Es gibt keinen Führer oder Präsidenten, der die Geschichte allein macht. Eine Hand kann nicht allein klatschen, egal, wieviel Kraft sie hat. (…)
Möge der Frauen-Union, unserem wunderbaren Volke, der nach Demokratie sich sehnenden Bevölkerung und möge allen Verteidigern der Menschenrechte der Sieg sicher sein.
Fatima Ahmed Ibrahim nimmt den Ibn Rushd Preis für das Jahr 2006 entgegen. Der Fund verleiht ihr den Preis „für ihre Verdienste um Menschenrechte, Gleichberechtigung
und Demokratie im Sudan“
Fatima Ahmed Ibrahim mit John Nasta, dem 2. Vorsitzenden des Ibn Rushd Funds.
Dr. Farouk Beydoun (Mitte) und Dr. Hamid Fadlalla (rechts) gratulieren der Preisträgerin. Fatima Ahmed Ibrahim unterhält sich mit den Gästen.
Einige Journalisten nutzen die Gelegenheit für ein Interview mit dem Preisträger. Vertreter von Presse und Rundfunk (Deutsche Welle, WDR, Radio Berlin Brandenburg, Radio Multikulti/RBB, Radio Montecarlo, al-Hayat) berichten von dem Ereignis. Es kamen u.a. der Botschafter des Sudans Baha’a al Din Hanafi und der Vertreter der arabischen Liga, Herr Abd al-Magid Klai, Herr Abdalla Hijazi vom Kulturattaché von Palästina, Herrn Sven Kohlmeier, SPD-Mitglied im Abgehordnetenhaus sowie Vertreter der Gesellschaften, Vereine und akademischen Einrichtungen in Berlin
Fatima Ahmed Ibrahim mit Gästen auf der Preisverleihung.
Unter den Gästen befinden sich – wie in jedem Jahr – Akademiker, Journalisten, Politiker, Intellektuelle und Künstler verschiedener Nationalitäten. Einige Gäste kamen von weither, aus München, Karlsruhe und Hamburg. Der Saal war mit über 140 Menschen überfüllt, einige haben keinen Sitzplatz mehr gefunden.
Frau Fraenkel-Thonet Leiterin des Goethe Instituts, hieß alle Gäste willkommen.
Abschließend wurde Baqlawa und Tee serviert.

Photos: Sami Ibrahim

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